„Selbst- und Gotteserkenntnis im Sufismus“ M.A. Raid Al-Daghistani (ZIT-Münster)

27.11.2015 Selbst und Gotteserkenntnis im Sufismus

Im Rahmen unseres Mottos „Erkenne dich selbst!“ haben wir uns sehr gefreut, Raid Al-Daghistani (32) zu Gast zu haben. Er hat Philosophie und Islamische Theologie studiert und referierte am Freitag, 27.11 zum Thema „Selbst- und Gotterkenntnis im Sufismus“ bei der IHV Köln. Es war eine interessante Einführung in den Sufismus, die Kernaussagen des Vortrags sind im Folgenden zusammengefasst.

Welche Ursprünge verbergen sich eigentlich hinter dem Wort Sufismus? Einigen Quellen besagen, dass es von safā stammt, was auf Arabisch so viel wie „Reinheit“ heißt und die Reinheit des Herzens impliziert. Anderen Überlieferungen zufolge kommt es von ṣaff (Reihe) und bedeutet, dass ein Sufi mit dem Herzen in der ersten Reihe steht, was die Nähe zu Gott angeht.

Es wurde schnell deutlich, dass keine einheitliche Definition zum Sufismus existiert und es innerhalb des Sufismus weit mehr als nur eine Strömung gibt. Für einen Sufi selbst ist die Bedeutung des Sufismus hingegen „klarer als die Sonne“ und bedarf wenig Begrifflichkeiten, da eher spirituelle Erfahrungen sowie Erlebnisse im Vordergrund stehen.

Ebenfalls im Mittelpunkt steht der transformative Charakter des Sufitums – d.h. mit den Erkenntnissen, die man gewinnt, soll das Eintreten in jegliche hohe Charaktereigenschaft und das Austreten aus niederen Eigenschaften angestrebt werden. Zwei äußerst zentrale Begriffe sind dabei muḥāsaba und murāqaba:

DSC_0133Bei der muḥāsaba (Abrechnung, Rechenschaft) geht es um die Selbstvergegenwärtigung, was die aufrichtige Erforschung des DSC_0134eigenen Gewissens und eine Art In-sich-gehen einschließt, um die Seele sowie das Herz auf etwaige Fehler zu prüfen.

Murāqaba hingegen heißt so viel wie Gottesvergegenwärtigung und die ständige Achtsamkeit, dass selbst wenn man Gott nicht sieht, Er alles sieht.

Letztendlich existieren muḥāsaba und murāqaba nicht ohne einander – denn derjenige, der sein Herz und seine innersten Geheimnisse erkennt, erkennt auch Gott.

Wir bedanken uns bei Raid Al-Daghistani und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Promotion zum Thema „Epistemologie des Herzens – Erkenntnisaspekte in der islamischen Mystik“.

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